Ein Kunstwerk aus Remscheid – Schneespuren und die Wahrnehmung der Dinge

Es geht um die Wahrnehmung des Ganzen und seiner Teile. Das ist die Wirklichkeit, die ich sehe.

Was sehe ich?

Ich sehe auf dem Foto alles als Ganzes.

Ist es das oder ist es eher das?

Hier verschiebt sich der Blick auf die Details. Erst auf das eher Abwegige (im Wortsinne), das da nicht hingehört. Aber es ist nur so anders im Zusammenhang mit dem Schnee, der zu sehen ist.

Aber auch das ist nicht alles.

Hier ist alles abstrakt und losgelöst vom Boden und dem Belag. Die Dinge sind die Teile auf dem Foto, die zusammen das Werk/Kunstwerk (im Wortsinne) ergeben.

Fläche, Formen, Oberfläche – neue Form.

Und so entsteht auf Remscheider Strassen ein Kunstwerk von Mensch und Natur erstellt und von mir zu einem bestimmten Zeitpunkt fotografisch und digital in eine Form gebracht.

Der Platz bleibt leer

Unbeirrt schrieb er. Lokaljournalismus im rga war seine Welt. Hier fühlte er sich wohl und hier wollte er sein. Er war ein Kenner. Er kannte die Remscheider Wirtschaft wie kein Zweiter. Er hatte die gesamte Deindustrialisierung der Region miterlebt und er hat meine sozialen Kämpfe in Remscheid immer journalistisch begleitet. Damals erzählte ich ihm immer noch über meine Erlebnisse in Solingen, danach erlebte er selbst beide Welten.

Blick zum Himmel über Industriehallen in Remscheid

Und er war klug. Er las Bücher und wir diskutierten bis vor einigen Jahren immer über Bücher, die er bei Debatten mit mir in die Diskussion einwarf. Manch kluges Buch lernte ich durch ihn kennen.

Aber seine Welt war der rga. Er wollte nicht aufhören, auch wenn er wieder mal erlebte, wie andere dazu gezwungen wurden oder  Veränderungen nicht immer alles zum Guten wendeten.

Nun hat das Schicksal zugeschlagen. Ich habe den journalistischen Wegbegleiter meiner damaligen Zeit verloren, der als Einziger alles das wußte, was er nie geschrieben hätte, weil er nicht durfte oder nicht wollte. Aber er wußte es und er sah mehr.

Das Wissen ist weg und wenn jetzt über diese Zeit gesprochen wird, dann nicht mehr aus der eigenen Anschauung sondern aus der nicht wissenden späteren Interpretation.

Ich hätte mir gewünscht, er wäre noch da und würde mit mir im Allee-Center ins Cafe gehen. Aber nun hat er seinen letzten Gang schon angetreten. Ich weine um ihn, weil er gerade wegen seiner kritischen Distanz ein Zeitgenosse war, der mit Herz und Seele ein echter Lokaljournalist und anständiger Mensch war.

Mach es gut Gerhard!