Die Tiere strecken ihre Fühler Richtung Frühling aus

Es ist ein sehr auffälliges Insekt, das in der Natur zu finden ist. So lange Arme hat kein Mensch.

Die Geschöpfe der Natur sind gerade im Kleinen oft sehr groß und zeigen Gottes Größe und Schöpfung.

Wir übersehen sie gerne aber wenn wir genau hinschauen, dann erkennen wir unsere Zeitgenossen.

Google konnte mir nicht helfen, um den Namen herauszufinden.

Foto: M. Mahlke
Foto: M. Mahlke

 

Der Zeitgeist stellt die alten Fragen

Mir kommt vieles so bekannt vor.

Als ich vor über 30 Jahren Seminare zum Thema „Global denken – vor Ort handeln“ gab formulierten wir immer die Fragen, die heute Wirklichkeit geworden sind. Dazu gehörte, was machen wir eigentlich, wenn es eine Klimaveränderung gibt oder was machen wir, wenn auf einmal 10 oder 100 Millionen arme Asiaten und Afrikaner vor unserer Haustür stehen? Continue reading „Der Zeitgeist stellt die alten Fragen“

Auf der Pro Deutschland Demo in Remscheid – Volkes Stimme unzensiert

Die Pro Deutschland Demo fand direkt unter den Augen des Tüpitter statt. Dieser hat zumindest noch auf der Platte das Motto stehen, für das die Zeitung einmal stand. Continue reading „Auf der Pro Deutschland Demo in Remscheid – Volkes Stimme unzensiert“

Auch Deutsche haben Rechte – Pro-Deutschland Demo in Remscheid

Beim Schwimmunterricht in Remscheider Schulen dürfen die Mädchen keine Bikinis mehr tragen aus Rücksicht auf Muslime. Das wurde in der Stadt Remscheid angeordnet berichteten empörte Eltern dem Ratsmitglied Pohl.

Haben Sie das gewußt?

Ich auch nicht. Continue reading „Auch Deutsche haben Rechte – Pro-Deutschland Demo in Remscheid“

Pinkeln unerwünscht: Der Parkour – Die Erlebnisecke an der anderen Seite vom Parkhaus

Architektonisch kann man sich nicht beschweren.

Es ist ein gelungener Beitrag zur Neugestaltung der verelendeten westdeutschen Provinz, die in Remscheid sehr weit fortgeschritten scheint.

Der Parkour in Remscheid ist eine neue Sehenswürdigkeit und sicherlich ein Highlight für die älteren Kinder, die nicht mehr auf den Spielplatz wollen, der auf der anderen Parkhausseite ist.

Doch zunächst zum Spielplatz, der hier zu sehen ist:

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Klare Regeln zeigen, wie man dort spielen muß. Das mit dem Rauchverbot klappt nicht so gut, aber ansonsten scheint der Spielplatz hochgradig frequentiert.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Zumal ja auch das Parkhaus mit Treppentoiletten und manueller Wasserspülung und ohne Wasserrohr eine besonders gelungene Glanzleistung ist.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Leider kann ein Foto die Atmosphäre nur begrenzt wiedergeben und keine Gerüche. Auf dem Foto mit der roten Tür und dem grünen Belag habe ich mir Mühe gegeben, eine eher schönere Stimmung einzufangen, um dem Ganzen etwas Glanz zu geben.

Man kann durch das Tor bis zum neuen Parkour schauen.

Der Zugang über die hochfrequentierte Straße sollte dann aber doch mit erhöhter Aufmerksamkeit erfolgen, so daß schon im Vorfeld das Reaktionsvermögen trainiert werden kann.

Der Parkour ist das Ergebnis von viel bürgerschaftlichem Engagement.

Je nach Blickwinkel kann man einen Teil davon auch als Stadttor sehen, weil ein Teil so wunderbar die pure Funktionsarchitektur der Umgebung widerspiegelt.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Er ist der Umgebung funktional und architektonisch angepaßt. Toiletten sind mir nicht begegnet, aber das wurde sicherlich auch berücksichtigt, vielleicht durch den Rückgriff auf die Natur.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Die Holzbalken kontrastieren zum Beton, den Schildern und der Parkhausarchitektur. Aber sogar farblich ist man fast identisch.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Die Funktion steht im Mittelpunkt. Die Architektur des direkt gegenüber liegenden Bahnhofs wurde fast 1:1 übernommen.

Es ist ein Ort an dem der Mensch sich sicherlich sehr wohlfühlen wird – so wie auf dem Spielplatz. Ich freue mich sehr über dieses planerische Glanzstück, das den Willen und den Geschmack der Beteiligten ausdrückt. Hier haben die Menschen das erhalten, was sie wollten, so daß in den wärmeren Monaten sicherlich viel Action zu sehen sein wird.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Die Zukunft ist in Remscheid angekommen.

Text 1.1

Der Blutmond über Deutschland und dem Bergischen Land

Wenn ein Blutmond zu sehen ist, dann kann man dies als die Sprache des Himmels für die Ereignisse auf der Erde deuten oder einfach so sehen. Es kommt immer darauf an, was man sehen will. Sind es Wunderzeichen des Himmels? Was sagen sie uns? Continue reading „Der Blutmond über Deutschland und dem Bergischen Land“

Wupperherz, Krautreporter – es geht talwaerts

Alles fließt.

Deshalb ist es an der Zeit, nach dem 1. September 2015 eine Bestandsaufhnahme aus meiner Sicht vorzunehmen über die aktuelle Situation hier und die Themen im öffentlichen Raum.

Fangen wir mit den Medien an.

Foto: Michael Mahlke
Deutschland – Foto: Michael Mahlke

Das aktuelle Ende von talwaerts in Wuppertal zeigt, daß heute kritischer Journalismus zum Geld verdienen nicht reicht, wenn man Medien machen will.

Talwaerts ist weg. Aber sie sind in guter Gesellschaft.

Selbst die Krautreporter haben eine ungewisse Zukunft.

Regional betrachtet sind von den kommerziell (wenn auch vielleicht querfinanzierten) Medien noch oder neu Diestadtzeitung.de für Wuppertal und der Remscheider-Bote.de als Ergänzung zum Solinger-Bote da.

Da geht es meiner Ansicht nach aber eher um Werbung und Artikel drumherum damit oder dafür und dort finden sich sehr viele Pressemitteilungen, die einfach mehr oder weniger wiedergegeben werden. Das ist natürlich kein Journalismus sondern eher PR.

Meiner Meinung nach fängt Journalismus eigentlich erst danach an und würde einen recherchierten thematischen Artikel ergeben, der dann ein paar Aussagen der Pressemitteilungen beinhalten würde. Aber damit verdient man eben kein Geld wie wir gerade sehen.

Geld für Werbung ist aber genug da wie die materiell erfolgreichen Medien zeigen. Der satirische Statistiker würde sagen je weniger Journalismus desto mehr Anzeigen – wobei die kritischen Leser eher nicht dort zu finden sind.

ber es geht ja um etwas anderes. Es geht um Sichtkontakte auf Papier und online. Diese Impressionen muß an sich vielleicht so vorstellen wie bei Plakaten auf der Straße. Wo Menschen vorbeikommen wird plakatiert, im Netz, auf der Straße, in Zeitschriften.

So stellt sich dann vielleicht der finanzielle Erfolg ein.

Der ist nicht gleichbedeutend mit Reichweite wie ich selbst festgestellt habe. Aber das ist eine andere Frage.

Soll ich darüber jammern und klagen?

Das habe ich eine gewisse Zeit.

Doch materieller Erfolg ist nicht verboten und Kritik ist faktisch der Weg in die Irre.

Wenn man gelernt hat auch gegen die Meinung der Masse und der Mächtigen zu leben, dann ist manches schwierig.

Nun denn.

Das Anerkennen der Wirklichkeit ist die Grundlage für Veränderungen.

Das Aussprechen der Wirklichkeit ist eine andere Sache. Da fängt das Kritische oft an und dann bleibt der materielle Erfolg aus.

Dennoch.

Ich habe dies alles hier gerne gemacht, weil es für mich Ausdruck eines gesellschaftlichen Engagements war. Ich wollte die Blicke dorthin lenken, wo man bei den normalen Berichten nicht hinschaut und sonst geschwiegen wird.

Das gehört für mich auch zum Anerkennen der Wirklichkeit.

Viel Ablehnung, viel Arbeit, keine Anerkennung – aber dennoch aus meiner Sicht sehr gut, weil die Umsetzung visueller Kommunikation von der Tagesreportage bis zur seriellen Fotokunst mich wesentlich weiter gebracht hat.

Der Weltuntergang war schon da und die Möglichkeiten meiner Zeit werden sich noch reduzieren.

Der Mensch lebt Vernunft nur selten und dann eher praktisch zur Zielerreichung.

„Oberstes Ziel ist das Überleben, gefolgt von Sex.“

So ist es.

Damit zu leben ist vielleicht das Geheimnis, um  etwas anderes im Leben zu gewinnen.

Und solange du lebst geht es weiter.

Alles fließt.

Text 1.1

Psychogeografie und Fotografie am Beispiel Lennep in Remscheid

Urbane Landschaft, Privatisierung und öffentlicher Raum in der Fotografie – Ein Beitrag zur Praxis aktueller Dokumentarfotografie zwischen Dokumentation und Kunst

Lennep ist ein Stadtteil von Remscheid und war ursprünglich selbst eine kleine Stadt.

Lennep bietet sich als Beispiel an, um Zusammenhänge zwischen öffentlichen und privaten Räumen, sozialer Praxis und sozialem Handeln und Veränderungen anhand fotografischer Praxis zwischen Dokumentation und Kunst zu zeigen.

Die Darstellung von Macht und  Einfluß im öffentlichen Raum

Ist öffentlicher Raum bzw. städtischer Raum (urban space) ein neutraler Container für soziale Beziehungen oder eine Manifestation von Macht und Kontrolle? Diese Frage diskutierte Alex Baker anläßlich einer Ausstellung im Museum of Contemporary Art San Diego. Untertitel war „A Dialogue with the urban Landscape“.

In diesem Text hier geht es um diese Fragen am Beispiel Lennep.

Wenn wir uns Lennep anschauen, dann wird zunächst deutlich, wie aktuell öffentliches Gelände für private Zwecke verkauft worden ist. Ziel ist das DOC, ein Outlet-Center, welches Kunden von nah und fern anlocken soll. Fest steht, daß der öffentliche Raum, der den Menschen zur Verfügung steht, dort wesentlich verkleinert wurde und eine neue private Zone geschaffen wurde, die nicht mehr wie bisher von allen genutzt werden kann.

Das Thema und den Konflikt kann man fotografisch sehr schön darstellen ohne viele weitere Worte:

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke
Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Die Politik hat sich für das DOC und gegen die bisherigen Strukturen entschieden. Inwiefern die Arbeitsplätze und die Kaufkraft genau so vereinbart wurden wie der Verkauf der Flächen ist Sache der Politik.

Hier geht es um die Folgen im öffentlichen Raum. Wenn öffentliche Räume und Flächen privatisiert werden, hat dies natürlich Verhaltensänderungen der Menschen zur Folge, weil bestimmte Treffpunkte wegfallen, andere räumliche Verhältnisse geschaffen werden, Traditionen und historische Plätze verschwinden etc. Der Soziologe Michael Beetz hat das einmal so ausgedrückt:

„Wer im öffentlichen Raum unterwegs ist, der sieht sich ständig mit einer mehr oder weniger feinsinnigen Symbolik konfrontiert, welche soziale Orte definiert, Grenzen markiert und die gangbaren Wege aufzeigt…. die lokale Umgebung beinhaltet über ihre rein physikalischen Eigenschaften hinaus durchweg symbolische Qualitäten…. Der tägliche Spaziergang mit dem Hund, das regelmäßige Aufsuchen von Veranstaltungsorten… von Kneipen oder Parks bezeugen die Zugehörigkeit zur Szene, zum Kiez, zur Heimat. Mit dem lokalen Lebensraum kann man durchaus verschmelzen, ohne ihn damit zu okkupieren. Andererseits bleibt manch einer auch nach dem Erwerb eines Grundstücks oder der Besetzung einer Stelle in sozialer Hinsicht ein Fremder. In Kleinstädten wird man in der Regel ein Leben lang als Zugereister gelten.“

Der öffentliche Raum ist also materiell und sozial gestaltet. Und im Fall von Lennep ist die sozial vorhandene Landschaft durch diese Entscheidung mit ihren Traditionen und Rhythmen erheblich – wenn nicht wesentlich –  verändert worden. Die bisherige Psychogeografie fällt dadurch praktisch weg.

Ob das gut oder schlecht ist oder ob es der heutigen Mentalität entspricht, ist hier nicht die Frage sondern lediglich das Aufschreiben dieser Entwicklung.

Die Gestaltung der Lenneper Altstadt

Der zentrale Bereich im öffentlichen Raum in Lennep ist die Altstadt. Diese ist quasi das öffentliche bzw. das Außenbild, das für Lennep als Hansestadt steht und für emotionale Lebensqualität.

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Das kann man ja auch fotografisch sehr schön festhalten, wenn man die mit vielen Investitionen modernisierte Stadtlandschaft sieht, die die alten Elemente wie Schiefer und Fachwerk äußerlich beibehalten hat.

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Hier symbolisiert die Architektur Eigenschaften wie Ruhe, Gemütlichkeit, Engagement und vieles mehr.

Privatisierte Zonen

Wo der öffentliche Raum verkauft wurde und der Profit nicht stimmte, sieht das alles anders aus:

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Das ist keine 100 Meter von der Altstadt entfernt und ein Areal, an dem die Bürger nicht zugelassen sind. Noch mal. Ich will hier nur die Realität beschreiben, damit man versteht, was Fotografie in solchen Fällen leisten kann. Ich finde das Foto übrigens auch sehr passend. Denn der Zaun davor soll alle Menschen davon abhalten, dieses Gelände zu betreten. Daher habe ich die Zacken auch dominant in das Foto gerückt. Und alles dahinter ist leer und menschenleer.

An dieser Stelle kommt die „Street Art“ hinzu. Alex Baker weist in seinem Text darauf hin, daß es Street Art gibt „on and about“ urban places. Dies bedeutet, man kann Kunst im öffentlichen Raum  an und auf der Straße erstellen oder den öffentlichen Raum als Thema (about) nutzen.

In Lennep haben Menschen, die dort leben oder waren, in jedem Fall reagiert und aus einer Betonzone Street Art gemacht.

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Zugleich ist dies (alles) Ausdruck einer sozialen Landkarte, denn hier zeigen sich soziale Reaktione auf vorhandene Architektur und Raumaufteilung.

Es gibt natürlich mehr Beispiele aber beispielhaft soll dies hier genügen.

(Noch ein Hinweis: Streetart ist übrigens erst dann street art, wenn sie an einem Ort sozial akzeptiert wird. Andernfalls wird sie eher als Vandalismus gesehen.)

Zudem verstehe ich meine Fotografien hier als Kunst, die Ausdruck vorgefundener Verhältnisse ist, die verarbeitet werden mit dem Mittel der Fotografie.

So ist dieser Artikel gewissermaßen Art about on street and public space – um eine englische Wortspielerei zu betreiben.

Hier könnte dieser Artikel enden.

Allerdings möchte ich ihn um eine Dimension erweitern, weil es fotografisch noch mehr auf dieser sozialen Landkarte zu sehen gibt und ein Thema neu (2015) hinzugekommen ist.

Lennep - Foto: Michael Mahlke
Lennep – Foto: Michael Mahlke

Dieses Foto ist im Hardtpark aufgenommen worden, ein paar Meter von dem vorherigen Foto entfernt. Es zeigt eine harmonische Grünlandschaft mit einem sauberen Mülleimer, der sauber besprüht ist, allerdings u.a. mit einem Nazisymbol, dem Hakenkreuz. Hier spiegelt sich aktuelle Politik wieder und u.a. auch die aktuellen sozialen Entwicklungen in Lennep.

Die soziale Landschaft von Lennep ist also mehrdimensional und Fotos können dokumentieren, was vor sich geht und was welche Reaktionen nach sich zieht. Architektur und soziale Interaktionen hängen zusammen aber die Gestaltung von öffentlichen Räumen und die Privatisierung von öffentlichen Flächen hat erhebliche Folgen und verändert, reduziert oder erweitert die sozialen Möglichkeiten.

Text 1.0

Remscheider Sommerfrische

Remscheid liegt im Gefahrengebiet.

Das Gefahrengebiet ist konkret und politisch gewollt.

Ohne schädigende Stoffe in der Luft, im Garten und im Essen geht es hier aktuell nicht.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Daher noch einmal ein Blick von Remscheid in den Himmel, der uns allen (?) gehört.

 

Umweltverschmutzung und Menschenverschmutzung damals

1792/93 reisete ein französischer Emigrant durch das Bergische.

Seinen Weg von Mettmann nach Elberfeld beschrieb er u.a. so:

„Die schönen Eichen, welche die Alten um ihre weitläufigen Bauernhöfe und Häuser herum, besonders längst den Zäunen gepflanzt hatten, werden nach und nach auch weniger, ohne daß ihre Stellen durch jüngere ersetzt sind… Einzelne Dorfschaften findet man in dieser Gegend sehr wenige, weil der größte Theil der Landsleute hier herum zerstreut wohnt… aber nach meiner Meinung erschwert sie auch einigermaßen die Bildung seines Geistes. Denn Gesellschaft macht milde … und daß die Menschen nicht blos am Verstande, an Herzen und Sitten … viel weiter zurückbleiben.“

Ein Jahr später reiste Christian Friederich Meyer durch das Bergische Land. Er schrieb etwas sehr bemerkenswertes auf: „So oft ich hingegen in das Bergische komme, freue ich mich mit herzlichem Genuß am Anblick des gemeinen Mannes, der durchgehends geschäftig und reinlich gut gekleidet ist. Dieser Arbeitsame ist daher viel sittlicher, gesunder und glücklicher als der Müßiggänger in Cöln, wo dieser nur ein blindes Thier um so gefährlicher wird, je sistematischer der Müßiggang getrieben wird.“

Vielleicht wollen deshalb die Kölner bis heute nicht ins Bergische und es wird alles getan, damit die Autos am Leverkusener Kreuz stehen bleiben müssen und niemals eine Bahn von Remscheid aus direkt nach Köln fährt.

Wer weiß …

1808 kommt ein anderer Reisender mit Namen Philipp Andreas Nemnich durch die Gegend:

„Remscheid, ein überhaupt armer und unfruchtbarer Distrikt, besitzt weder Eisen- noch Steinkohlen. … Schon seit mehreren Jahren, kann auf den in und um Remscheid fließenden achtzehn Bächen, keine neue Anlage mehr Statt finden; so sehr ist das Ganze besetzt. Es stehen auf den gedachten Bächen: 37 Breithämmer, 97 Reckhämmer, 44 Schleifmühlen oder Kotten, und 16 Sensen-Reckhämmer und Klipperwerke. Schließlich ist zu bemerken, daß der wegen seiner großen Talente in Handlungs- und Fabrik-Sachen so berühmt gewesene Peter Hasenclever, in dem zu Remscheid gehörigen Hofe Ehringhausen, sein Daseyn erhalten hat.“

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Ehringhausen Am Ueling – Foto: Michael Mahlke

 

Friedrich Engels schrieb einige Jahre danach die Briefe aus dem Wuppertal und noch viel mehr.

„Bekanntlich begreift man unter diesem bei den Freunden des Lichtes sehr verrufenen Namen die beiden Städte Elberfeld und Barmen, die das Tal in einer Länge von fast drei Stunden einnehmen. Der schmale Fluß ergießt bald rasch, bald stockend seine purpurnen Wogen zwischen rauchigen Fabrikgebäuden und garnbedeckten Bleichen hindurch; aber seine hochrote Farbe rührt nicht von einer blutigen Schlacht her, denn hier streiten nur theologische Federn und wortreiche alte Weiber gewöhnlich um des Kaisers Bart; auch nicht von Scham über das Treiben der Menschen, obwohl dazu wahrlich Grund genug vorhanden ist, sondern einzig und allein von den vielen Türkischrot-Färbereien. Kommt man von Düsseldorf her, so tritt man bei Sonnborn in das heilige Gebiet; die Wupper kriecht träg und verschlammt vorbei und spannt durch ihre jämmerliche Erscheinung, dem eben verlassenen Rheine gegenüber, die Erwartungen bedeutend herab. … Das Arbeiten in den niedrigen Räumen, wo die Leute mehr Kohlendampf und Staub einatmen als Sauerstoff, und das meistens schon von ihrem sechsten Jahre an, ist grade dazu gemacht, ihnen alle Kraft und Lebenslust zu rauben. Die Weber, die einzelne Stühle in ihren Häusern haben, sitzen vom Morgen bis in die Nacht gebückt dabei und lassen sich vom heißen Ofen das Rückenmark ausdörren.“

 

Umweltverschmutzung heute

Wir erleben heute die Transformation der Industrialisierung durch die Selbstzerstörung unserer Wachstumsgesellschaft.

Die grenzenlose Gier und die fehlenden gesetzlichen Schranken der letzten Regierungen haben dazu geführt, daß es noch schlimmer geworden ist.

Das ist ganz praktisch auch hier zu sehen, im Denken und im Handeln und im Ergebnis.

Alles wird zur Ware und man hält es für selbstverständlich. So kennt man von allem den Preis und von nichts mehr den Wert…

Und neuerdings bin ich sogar mit dem Papst auf einer Linie.

Vielleicht hat dies auch damit zu tun, daß diese Region immer sehr christlich war und Katholiken mit Lutheraner und Reformierten sogar an einem Tisch saßen.

Mehr finden Sie hier (bitte auf den Text klicken)

Hinzu kommt die Rückkehr der Armenhäuser. Diese Disziplinierungsinstrumente der Mächtigen heißen heute Jobcenter.

Es sind die Symbole dafür, daß unser Grundgesetz mit Füßen getreten wird. Was dort geschieht, verstößt massiv gegen das Grundgesetz.

Die SPD und die Grünen haben die Armut offiziell wieder eingeführt in Deutschland mit dem Hartz4 System und der Billigarbeit und die FDP hat dann gemeinsam mit der CDU dafür gesorgt, daß die Reichen davon noch mehr profitieren.

Was kann man tun?

Sehr viel wie auf proverfassung.de nach dem Login mit gast und 2015 zu lesen ist.

Oder man schaut mal hier, da gibt es was für alle die, die eher Angst haben und doch nicht mit allem einverstanden sind.

Da geht es um alternative Lebenspraktiken im Neoliberalismus.

 

Ludwig Poullain, Remscheid und die Welt der Banken und der Gier

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Ludwig Poullain war ein Remscheider, eigentlich ein Lüttringhausener. Als er 2015 starb ging ein langes Leben zu Ende.

Er war ein Mann mit Weitblick. Und so wurde er Teil eines Buches, das 2012 lange auf der Bestseller-Liste des Spiegel war.

Es war Die Rüpel Republik von Jörg Schindler. Continue reading „Ludwig Poullain, Remscheid und die Welt der Banken und der Gier“

Preisbildung und Monopole am Beispiel der Stadtwerke Remscheid

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Man lernt als Kunde die Welt kennen.

Ein Tagesticket für Wuppertal mit Bus und Bahn und Schwebebahn kostet 6,60 Euro. Dafür erhält man Zugriff auf große Parkanlagen, sehr viel Infrastruktur, die Schwebebahn, Erholungsgebiete, Einkaufsstraßen und vieles mehr.

Setzt man dies in ein Verhältnis zu Remscheid, dann gibt es in Remscheid keine größeren Parkanlagen, keine echten Einkaufsstraßen, kaum Infrastruktur, keine Erholungsgebiete etc. Somit dürfte ein Tagesticket für Remscheid maximal 3,30 Euro eher 2 Euro kosten.

Das ist aber nicht so.

Ein Tagesticket für Remscheid kostet 9,70 Euro.

Man reibt sich die Augen.

Meiner Meinung nach liegt die Antwort auf der Hand. Das ist politisch gewollt. Die Stadtwerke Remscheid haben einen politisch besetzen Aufsichtsrat und sind für die Preise vor Ort verantwortlich.

Damit aber nicht genug. Wenn du im Sinne der Bergischen Metropole von Remscheid nach Wuppertal fahren willst (und zurück), dann brauchst du logischerweise ein Tagesticket. Das kostet aber dann für eine Person 13,70 Euro (für zwei 16,90 Euro).

Man bezahlt sich also nicht nur dumm und dämlich, wenn man von Remscheid nach Wuppertal mit dem Bus fährt, man wird auch richtig ausgenommen.

Das hat mit einer Bergischen Metropole nichts zu tun sondern nur noch mit Abzockerei, weil man ein Monopol hat – zumindest meiner Meinung nach.

Gerade eine Bergische Metropole, die für die Menschen gemacht ist, müßte dies ändern. Aber soll die Bergische Metropole den Menschen dienen? Zumindest kann es nicht sein, daß immer mehr nach Wuppertal an Dienstleistungen verlagert wird, aber die Kosten für eine Fahrt dorthin immer höher werden.

Richtig wäre ein 5 Euro Tagesticket für die Bergische Metropole. Das wäre fair und würde die Straßen entlasten und realen Portemonaies entsprechen.

Besser wäre, wenn der öffentliche Personennahverkehr komplett aus Steuergeldern finanziert würde, weil damit eine wesentliche Entlastung der Straßen verbunden wäre.

Besser für die Umwelt, weniger Kosten für Straßen, richtig gut für die Menschen.

Aus welchen Gründen lehnen die handelnden Personen dies wohl ab?

Ich bin ja nur Kunde und kann nur meine persönliche Ansicht wiedergeben.

Aber das kann ich.

Nun möchte ich abschließend noch die Geschichte mit dem Hammer erzählen.

Nein – nicht die von Paul Watzlawick.

Ich möchte die Geschichte vom Hammerband erzählen.

Wenn Sie in Remscheid ein Hammerband bestellen unter www.hammerband.de, dann dürfen Sie den ganzen Tag für 6,50 Euro mit den Bussen der Stadtwerke  in Remscheid fahren.

Hammerhart – ein echter Hammer!

Elendstürme – die Neue Symbolik der Jobcenter von Remscheid und Wuppertal

Architektur hat eine hohe Symbolik. Im Mittelalter gab es Türme für verschiedene Anläße. Wie steht es so schön in der wikipedia: “ Für bestimmte Sanktionen gab es eigene Gefängnisse, und die Türme erhielten davon teilweise auch ihren Namen (z. B. Blutturm, Diebsturm, Schuldturm).“

Ob diese Idee von den Jobcenter-Verantwortlichen aufgegriffen wurde und deshalb Gebäude in Remscheid und Wuppertal ausgesucht wurden, die diese Tradition fortsetzen?

Die Sanktionstürme oder die Elendstürme von Wuppertal und Remscheid sehen jedenfalls so aus.

Jobcenter Wuppertal Barmen - Foto: Michael Mahlke
Jobcenter Wuppertal Barmen – Foto: Michael Mahlke

Hier wird u.a. die Verarmungsregel von Hartz 4 umgesetzt, hier werden die verfassungswidrigen und zu niedrigen Hungersätze ausgezahlt und hier finden die Erniedrigungen und Schikanen statt, die das Gesetz vorgibt. Hier wird Altersrassismus per Gesetz umgesetzt.

Jobcenter Remscheid - Foto: Michael Mahlke
Jobcenter Remscheid – Foto: Michael Mahlke

Und für dies alles gibt es eine Symbolik in der Architektur, die in Remscheid und Wuppertal-Barmen an den Jobcentern zu sehen ist.

Es paßt alles.

Jeder Baum hat ein Gesicht – und manche vergißt man nicht!

Er hat Generationen von Spaziergängern, Joggern und Wanderern gesehen.

Als ich ihn 2013 porträtierte war er für mich derjenige Baum, dem ich auf meinem Weg im Eschbachtal immer begegnete.

Ist nun sein Ende beschlossen?

Der Grund wäre reine Gier meiner Meinung nach.

Wird er das Symbol für die Gier bei Wald 2.0.

Müssen wir auf den Anblick dieses prächtigen Baumes verzichten, der uns alle auf unserem Weg begleitete?

 

Remscheid – Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen

Es gibt in Remscheid Sehenswürdigkeiten. Diese sehenswürdigen Wahrzeichen zeigen, was in Remscheid wahr ist.

Remscheid ist eher eine Stadt für Reiche. Diese bestimmen diese Stadt fast total.

Reiche können sich Autos leisten. Arme müssen meistens Bus fahren.

Deshalb hat diese Stadt drei Autobahnauffahrten aber keinen vernünftigen öffentlichen Personennahverkehr und schon gar keinen Fernverkehr mit der Bahn.

Aber es gibt in Remscheid auch Wahrzeichen.

Diese zeigen, was in Remscheid „wahr“ ist und wahr war.

Besondere Wahrzeichen sind die Kneifzange, der Nazilöwe und der Elendsturm. Sie symbolisieren die vorhandenen Verhältnisse.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Die Kneifzange zeigt eine Tradition dieser Stadt mit ihrer Werkzeugindustrie. Diese ist heute weitgehend verlagert. Daher symbolisiert die Kneifzange aktuell eher eine Stadt, die man nur mit der Kneifzange anpacken sollte. Ein Blick auf die Situation im öffentlichen Raum zeigt, daß dies auch real stimmt. Hier gibt es den wahrscheinlich ersten begehbaren Aschenbecher Deutschlands. Der Boden ist hier im Bereich des Bahnhofs z.B. so kontaminiert durch Zigarettenkippen, daß eine Müllhalde vermutet werden könnte. Blickt man von Solingen, dann sieht man übrigens, daß ein Teil des Remscheider Stadtkegels eine pure Müllhalde ist. Remscheid ist die Müllstadt auf dem Berge.

 

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Der Nazilöwe zeigt wie in Remscheid mit der Geschichte umgegangen wird. Das Stadtmarketing benutzt ein Symbol für Judenvernichtung, Krieg gegen andere Völker, Rassenwahn und vieles mehr, um auf der Grundlage dieses Symbols an zentralen Kreuzungen der Stadt Löwen aufzustellen. Es ist wahr, daß Remscheid eine Nazistadt war, weil viele Deutsche Nazis waren. Und es ist ein echtes „Wahr“-zeichen, das zeigt, wie damit in Remscheid in der Verwaltung und in der politischen Klasse umgegangen wird.

Gottseidank wird dem gerade im sozialen Stadtbild etwas entgegengesetzt. So sieht man immer mehr Kopftücher, die dem Rassenwahn der Nazis entgegenleben und symbolisieren, daß andere Völker und Kulturen aufholen und sich hier ausbreiten.

 

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Und dann der Elendsturm. Direkt am Bahnhof und der Hauptkreuzung der Stadt symbolisiert dieser Turm wie früher der Schuldenturm, wer hier herrscht und wer hier bluten muß. In diesem Turm wird die Verarmungsregel von Hartz 4 umgesetzt und es wird umverteilt. Das absolute Machtsymbol für eine Gesellschaft, für die fleissige Menschen die Dummen sind und Arbeitslosigkeit als Stigma statt als Folge falscher Gesetze gedeutet wird. Die Reichen züchten sich ihr eigenes Prekariat und vernichten den Gemeinsinn und die Demokratie könnte man denken, wenn man dies historisch einordnet.

Remscheid hat was und das kann man gut besichtigen. Fotografisch kann man dieser Stadt so schnell einen Rahmen geben, der die Wirklichkeit in Geschichte und Gegenwart auf den Punkt bringt.

Der Remscheider Elendsturm zwischen Armenhaus und Freudenhaus

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Der Remscheider Elendsturm heißt inoffiziell in Fachkreisen so, weil dort die Verarmungsregel von Hartz 4 angewandt wird:

Wer fleissig war, gespart hat und arbeitslos wird, wird so lange finanziell ausgeblutet bis er arm ist. Die Prozeduren werden in diesem Turm abgewickelt.

Es gibt gute Argumente für einen offenen Altersrassismus: Wer älter ist, gearbeitet hat und keine Kinder mehr im Haus hat, der wird systematisch per Gesetz hier ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

Aber der Elendsturm ist zugleich auch ein Freudenhaus, weil Menschen, die eher viele Kinder machen und viele Probleme mit der Arbeit und der Sprache bzw. Qualifikation haben, dafür dann für die Menschenproduktion finanziell proportional zunehmend attraktiv entschädigt werden.

Daher hat dieser Turm zwei Gesichter und ist die architektonische Fratze der politisch gewollten Verarmung und Verelendung der Fleissigen.

Aus künstlerischer Perspektive habe ich ihn auf den Kopf gestellt, weil man hier seine Taschen leer machen muß, bevor man was erhält.

So symbolisiert dieser Turm die Einführung der neuen Armut für die Fleissigen.

Deutsche Wirklichkeit in einem Bild mitten aus Remscheid.

Aktuell gibt es ja eine Kampagne mit einem Plakat „Wir vermitteln Angst – ihre Jobcenter“. Wenn man dies assoziiert, dann wäre dies auch ein Angstturm. Das Thema Angst ist ja schon dokumentiert.

So ist Kunst hier das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der vorgefundenen architektonischen und sozialen Wirklichkeit.

 

Wenn Friedrich Engels heute leben würde

dann würde er vielleicht so nachdenklich gucken wie auf dem Denkmal, das die Stadt Wuppertal als Geschenk von China bekam.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Manche vermuten, darin steckt modernste Technik und ein technischer Aussenposten für vielfältige Zwecke.

Aber wer weiß das schon.

China reicht bis Wuppertal – vielleicht macht das Friedrich Engels nachdenklich. Es könnte aber auch sein, daß er darüber nachdenkt, was man aus seinen Gedanken gemacht hat.

Nun könnte ich jeden Tag eine neue Fotogeschichte erzählen.

Aber es ist nicht notwendig, weil sich dadurch nichts ändert.

Es sind Blicke auf die Welt von heute, die manches zeigen.

Besonders interessant wird es, wenn ich hier auf die Briefe aus dem Wuppertal verweise, die Friedrich Engels 1839 schrieb:

„Ein frisches, tüchtiges Volksleben, wie es fast überall in Deutschland existiert, ist hier gar nicht zu spüren; auf den ersten Anblick scheint es freilich anders, denn man hört jeden Abend die lustigen Gesellen durch die Straßen ziehen und ihre Lieder singen, aber es sind die gemeinsten Zotenlieder, die je über branntweinentflammte Lippen gekommen sind; nie hört man eins jener Volkslieder, die sonst in ganz Deutschland bekannt sind und auf die wir wohl stolz sein dürfen. Alle Kneipen sind, besonders Sonnabend und Sonntag, überfüllt, und abends um elf Uhr, wenn sie geschlossen werden, entströmen ihnen die Betrunkenen und schlafen ihren Rausch meistens im Chausseegraben aus. Die gemeinsten unter diesen sind die sogenannten Karrenbinder, ein gänzlich demoralisiertes Volk, ohne Obdach und sichern Erwerb, die mit Tagesanbruch aus ihren Schlupfwinkeln, Heuböden, Ställen etc. hervorkriechen, wenn sie nicht auf Düngerhaufen oder den Treppen der Häuser die Nacht überstanden hatten. Durch Beschränkung ihrer früher unbestimmten Zahl ist diesem Wesen von der Obrigkeit jetzt einigermaßen ein Ziel gesetzt worden.

Die Gründe dieses Treibens liegen auf der Hand. Zuvörderst trägt das Fabrikarbeiten sehr viel dazu bei. Das Arbeiten in den niedrigen Räumen, wo die Leute mehr Kohlendampf und Staub einatmen als Sauerstoff, und das meistens schon von ihrem sechsten Jahre an, ist grade dazu gemacht, ihnen alle Kraft und Lebenslust zu rauben. Die Weber, die einzelne Stühle in ihren Häusern haben, sitzen vom Morgen bis in die Nacht gebückt dabei und lassen sich vom heißen Ofen das Rückenmark ausdörren. Was von diesen Leuten dem Mystizismus nicht in die Hände gerät, verfällt ins Branntweintrinken. Dieser Mystizismus muß in der frechen und widerwärtigen Gestalt, wie er dort herrscht, notwendig das entgegengesetzte Extrem hervorrufen, und daher kommt es hauptsächlich, daß das Volk dort nur aus »Feinen« (so heißen die Mystiker) und liederlichem Gesindel besteht. Schon diese Spaltung in zwei feindselige Parteien wäre, abgesehn von der Beschaffenheit derselben, allein imstande, die Entwicklung alles Volksgeistes zu zerstören, und was ist da zu hoffen, wo auch das Verschwinden der einen Partei nichts helfen würde, weil |418| beide gleich schwindsüchtig sind? Die wenigen kräftigen Gestalten, die man dort sieht, sind fast nur Schreiner oder andre Handwerker, die alle aus fremden Gegenden her sind; unter den eingebornen Gerbern sieht man auch kräftige Leute, aber drei Jahre ihres Lebens reichen hin, sie körperlich und geistig zu vernichten; von fünf Menschen sterben drei an der Schwindsucht, und alles das kommt vom Branntweintrinken. Dies aber hätte wahrlich nicht auf eine so furchtbare Weise überhandgenommen, wenn nicht der Betrieb der Fabriken auf eine so unsinnige Weise von den Inhabern gehandhabt würde, und wenn der Mystizismus nicht in der Art bestände, wie er besteht, und wie er immer mehr um sich zu greifen droht. Aber es herrscht ein schreckliches Elend unter den niedern Klassen, besonders den Fabrikarbeitern im Wuppertal; syphilitische und Brustkrankheiten herrschen in einer Ausdehnung, die kaum zu glauben ist; in Elberfeld allein werden von 2500 schulpflichtigen Kindern 1200 dem Unterricht entzogen und wachsen in den Fabriken auf, bloß damit der Fabrikherr nicht einem Erwachsenen, dessen Stelle sie vertreten, das Doppelte des Lohnes zu geben nötig hat, das er einem Kinde gibt.“

Aber er schrieb ja noch viel mehr.

Einige Jahre später reiste er durch England und wir können lesen, was er uns zu sagen hatte.

Das sind übrigens alles Reiseberichte aus der Zeit vor der Nutzung der Fotografie.

Es ist also nicht so lange her, da war bei uns alles das, was wir heute bei „Entwicklungsländern“ finden.

Friedrich Engels würde vielleicht fragen, wohin wir uns heute entwickeln.

Hoffentlich nicht zu einem Entwicklungsland…

 

Hallo Bodo

Hallo Bodo,

als du mit 18 Jahren kurz vor dem Abitur von der Müngstener Brücke gesprungen bist, war dein Leben zu Ende. Und es war auch ein Stück von meinem Leben vorbei, weil ich mit dir nach dem Abitur die Welt entdecken wollte.

Du bist auf die Brücke gegangen und dann am rechten Pfeiler runtergesprungen.

Hier an dieser Stelle waren viele Worte über unser Schulsystem, feige Lehrer, die heute noch so tun als ob und vieles mehr. Es – die Welt – hat sich nicht geändert Bodo. Du hast nichts verpaßt außer der Hoffnung, daß sich etwas ändert und der gemeinsamen Zeit, die ich vermisse, weil ich noch lebe.

Das ist fast 35 Jahre her. Viele Menschen sind seitdem gestorben, wir alle sterben. Aber ich konnte dich nie vergessen.

Nun stand ich vor drei Tagen an diesem Ort und blickte hinauf.

Es war wie gestern.

„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien habe – kommt erst später.“

Diese Worte sind von Albert Camus.

Manchmal zeigt eben ein Foto nicht das, was geschehen ist sondern ist ein Schlüssel zu den Erinnerungen, die im Kopf mit Bildern existieren und nach aussen hin nur mit Worten gemalt werden können, damit ein Bild im Kopf entsteht.

Michael

Das neue Aldimännchen als Symbol für kreative Baukunst?

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Da hatte man doch glatt vergessen, einen Bürgersteig zu bauen. Als im Remscheider Südbezirk bei Mannesmann der neue Aldi gebaut wurde, vergass man glatt die Fußgänger.

Oder man hat sie nicht vergessen, aber man hat vergessen ihnen zu sagen, daß sie über die Autozufahrt laufen sollen.

Wer weiß …

Nach einschlägigen Bürgerprotesten ging man dann tatkräftig zu Werk.

Dabei herausgekommen ist eine Lösung, die man nicht mehr in normale Denkkategorien kleiden kann.

  • Wollte man sparen, weil das Abstützen des Hangs Geld kostet?
  • Wollte man Rollatoren die Lust am Zugang nehmen?
  • Bestand die Bautruppe aus Künstlern, die die Zerbrochenheit der Welt darstellen wollten?

Heraus kam eine Lösung, die wahrscheinlich bundesweit einmalig ist.

Foto: Michael Mahlke
Foto: Michael Mahlke

Ich denke mir, das weiße Männchen ist wohl das neue Aldimännchen und dieses Aldimännchen sagt dem Fußgänger:

„Ab hier ist eine weiße Linie, die wir von der Fahrbahn abgetrennt haben. Hier darfst du gehen. Falls die Autofahrer dies nicht so genau sehen können, mußt du eben etwas mehr aufpassen. Solltest du die Hälfte der Auffahrt unverletzt überstanden haben, dann kannst du auf den Notbürgersteig wechseln und deinen Weg fortsetzen.“

Wer auf diese Idee gekommen ist, der müßte zur Strafe täglich dort entlang gehen, wenn die Autos hoch- und runterfahren.

Und Aldi hat das absegnet?

Diese Zumutung soll jetzt Jahrzehnte so bleiben?

Man darf gespannt sein, ob unsere Kommunalpolitiker, die dafür den Mannesmannpark abgegeben haben, dies nun auch so hinnehmen.

Jobcenter und Gewalt

„Nicht erst seit den tödlichen Attacken in den Jobcentern in Neuss und Rothenburg sorgen sich die Mitarbeiter um die Sicherheit. Sieben Empfänger staatlicher Leistungen ließen sich zu Beleidigungen hinreißen, acht kassierten nach Drohungen Hausverbot. Gewiss: Warten mag keiner gern. Aber, bei allem Respekt: Wer sollte mehr Zeit mitbringen können als die Klienten des Jobcenters?“

So schreibt Axel Richter vom rga am 7.2.2015. Eine bemerkenswerte Reaktion eines Journalisten wobei ich die Sachkenntnis bei solchen Äußerungen als sehr eingeschränkt empfinde:

Wo ist der Hinweis, daß im Jobcenter staatliche Gewalt gegen Kunden ausgeübt wird, täglich und mit fast jeder Maßnahme?

Wo ist der Hinweis, daß Hartz 4 Schikane per Gesetz ist?

Wenn unbescholtene Bürger bis zum Mord gehen, muß man sich doch wohl mal fragen, ob es nur an den Bürgern liegt.

In Remscheid wurden bei mehr als 50.000 Vorsprachen „sieben Vorfälle mit beleidigendem und/oder bedrohlichem Verhalten zur Anzeige gebracht und acht Hausverbote“ ausgesprochen.

Nur so wenige und banale Ausfälle?

Da hat ja die Leitung des Jobcenters bisher etwas „richtig“ gemacht.

Aber wenn man hört, was so diskutiert wird, fragt man sich doch, wie es weitergehen soll:

„Die Sicherheit ist am größten, wenn der Zugang zum Gebäude konsequent gesteuert wird. In Verbindung mit einer Eingangsschleuse, wie man sie aus Gerichten kennt, könnte man den Zugang nur noch Personen gewähren, die sich legitimieren können. Waffen (aus Metall) oder Gegenstände, die sich als Waffe eignen würden durch Sicherheitspersonal an der Sicherheitsschleuse entdeckt.“

Hinzu kommt diese Umfrage. Weniger als ein Drittel der Jobcenter Mitarbeiter hat überhaupt daran teilgenommen und davon waren 67 Prozent dafür?

Da ist der Interpretation Tür und Tor geöffnet.

Waren 2 Drittel „Protestwähler“ weil sie mit den Zuständen und dem Umgang mit Menschen nicht einverstanden sind?

Wer weiß.

Man kann es auch so sehen, daß vielfach im Jobcenter mit der Anwendung der Hartz 4 Gesetze freie Staatsbürger schikaniert werden, weil es sich um den Restmüll der Nazizeit handelt, der meiner Meinung nach Reaktionen wie Mord und Selbstmord einkalkuliert.

Und nun haben die Mitarbeiter Angst. Denn sie wissen ja, was sie tun?

„Schikane per Gesetz“ im Jobcenter führt zum gesetzlich erlaubten Schnüffeln, Spionieren und Aushorchen, digital mit automatisiertem Datenabgleich und Vorladungen ähnlich wie bei der Staatsanwaltschaft.

Und nun denken wir doch mal weiter.

Stellen wir uns vor, jetzt sind für viel Geld Sicherheitsschleusen eingebaut worden.

Im Gericht werden diese von Polizisten kontrolliert.

Und im Jobcenter?

Nun piepst es.

Muß ich dann meine Tasche aufmachen?

Es handelt sich um meine Tasche und um mein persönliches Eigentum.

Muß ich mich dann nackt ausziehen?

Gibt es dann eine Leibesvisitation?

Gelten Grundrechte im Jobcenter nicht mehr?

Davon abgesehen, wer ist denn so dumm und verfolgt den Mitarbeiter im Jobcenter? Das können doch nur spontane Wutausbrüche sein.

Wer wirklich zuschlagen will, der macht dies doch anders.

Insofern ist die ganze Debatte doch sehr oberflächlich.

Aber eins bleibt: die Angst.

Die Angst vor den Kunden und die Angst vor dem Staat.

Denn Hartz 4

  • ist bösartig, weil es den Gemeinsinn der Menschen zerstört,
  • immer mehr Gewalt als Strukturmerkmale dieser Gesellschaft definiert
  • und entmutigende Widersprüche in Verwaltungsakte gießt.

Da ist es für mich logisch, daß die Gewalt wachsen wird.

Meiner Meinung nach nicht als Restrisiko sondern als zunehmende Größe.

Das Remscheider Löwenbaby

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Plötzlich stand er vor mir.

„Hallo ich heisse Leolinchen.“

Er war aus einem Ei gekommen und stand vor mir auf dem Tisch.

„Weißt du, ich bin der Neue.

Mein Vater ist gegangen und hat mich gebeten, zu euch zu kommen, damit ihr endlich neues Leben und neue Freude nach Remscheid bringt.

Mein Vater war Nazi und stand für die schlechten Seiten  unseres Löwenlebens. Ja er war damals stolz ein Löwe zu sein, der für den Führer und seine Taten stand.

Aber später hat er gehört, was das für Taten waren: das Ermorden von Männern, Frauen und Kindern, die brutale Folterung und Ermordung Andersdenkender, der Überfall auf unschuldige Menschen, Vergasen, Vergewaltigen und vieles mehr.

Dann dachte er, wenn ich viele Jahre einfach still bin, vielleicht erinnert man sich dann nicht mehr daran.

Aber auch das klappte nicht.

Und nun das!

Man hatte ihn geklont wie ein Schaf und alles mit ihm gemacht, was man sich nur ausdenken konnte.

Er wußte, er war nicht schön.

Er sollte ja auch aussehen wie ein grimmiges Tier, das andere zerfleischt.

So freute er sich über ein paar kreative Einfälle, die ihn freundlicher machten und er gab innerlich zu, daß er gerne so ausgesehen hätte.

Aber was man sonst so aus ihm gemacht hatte gefiel ihm gar nicht.

Sogar auf einem einfachen Kasten mußte er jetzt stehen in Verkleidungen, die ihn weinen ließen und dabei sollte er noch die Autofahrer erschrecken.

Da beschloß mein Vater von seinem Denkmal zu steigen und zu gehen.

Er bat mich zu euch zu kommen, damit ich mit euch kuscheln kann und ein echter Freund von Remscheid werde.“

In dem Moment wachte ich auf und fragte mich, ob das alles ein Traum oder die Wirklichkeit ist.

Oder vielleicht wird aus dem Traum eines Tages Wirklichkeit?