Nazidenkmal und Erinnerungskultur: Reaktionen und Resonanzen

Der Artikel über die Erinnerungskultur am Beispiel des Löwendenkmals auf dem Rathausplatz blieb nicht unbeachtet.

Die Bergische Morgenpost hat das Thema aufgegriffen und einen guten Artikel zu diesem Thema publiziert.

Gisela Schmoeckel schilderte noch einmal den sachlichen Zusammenhang  und Christian Peiseler hat einen historisch guten und klaren Kommentar formuliert.

Darauf gab es so gut wie keine Reaktionen. Und die erste Reaktion war eher so daß dies doch alles keine Rolle mehr spielen würde … – Das ist auch Erinnerungskultur.

Und nun hat auch Lothar Kaiser in seinem Blog dazu etwas wiedergegeben. Dort gibt es auch einige wenige Kommentare, die sehr gute Vorschläge machen wie die von Fritz Beinersdorf und Gerda Spaan. Andere haben andere Ansichten.

Ich habe das Ganze auch noch einmal in die Gegenwart des öffentlichen Raumes geholt.  Mir hat schon die SPD-Kampagne nicht gefallen, bei der „Stolz auf Remscheid“ mit dem Nazidenkmal verbunden wurde, das Ausgrenzung und Massenmord symbolisiert. Das zeigt das Fehlen von Geschichtsbewusstsein im Bereich der Entscheidungsträger.

SPD Remscheid – Foto: Michael Mahlke

Wenn die aktuelle Debatte um das Denkmal zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in weiten Teilen der Bevölkerung in Remscheid führen würde, dann wäre zumindest dies ein Erfolg (die Hoffnung stirbt zuletzt).

Man darf nicht vergessen, daß die Ideologie hinter diesem Löwendenkmal aus den 120 Nationen in Remscheid Zwangsarbeiter, KZ-Insassen und Kriegstote gemacht hätte.

Es gibt noch genug Restmüll der Nazizeit an anderen Stellen.

Das nun einfach zu ignorieren ist jenseits dessen, was zivilisierte Menschen und politisch verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte ausmacht.

Wer heute gegen Krieg und Ausgrenzung demonstriert und bei diesem Nazidenkmal andere Maßstäbe anlegt, verliert völlig seine Glaubwürdigkeit.

Davon abgesehen ist die Löwenparade eigentlich ja ein guter Ansatz, um in Remscheid soziale Aktivitäten durchzuführen. Da wahrscheinlich alle, die mitmachen, sich freuen, in Remscheid dabei zu sein, sollte dies nicht unter einem Nazisymbol und Nazidenkmal geschehen. Die Teilnehmer haben es verdient, etwas Gutes und Zukunftsweisendes mitzumachen und dabei auch ein Symbol zu benutzen, das der Zukunft zugewandt ist.

Die Verantwortlichen haben hier echte Fehler gemacht und sollten sie ausbügeln.

Man wird sehen, was geschieht.

Eine Lösung wäre sicherlich

  • eine kleine Dauerausstellung zum Thema Remscheid und das Löwendenkmal im Nationalsozialismus im Rathausfoyer
  • ein neues Schild am Denkmal mit Erklärung und Hinweis auf die Ausstellung und
  • eine Umgestaltung und Aufarbeitung des Denkmals

damit dieser Löwe entpolitisiert bzw. demokratisiert wird – so wie es auch andere schon getan haben.

Nachtrag Ende 2014:

Das ist allerdings dann doch nicht geschehen. Ganz im Gegenteil. In Remscheid arbeitet das Stadtmarketing aktiv mit dem Nazidenkmal weiter.

So ist Remscheid aktuell die einzige mir bekannte Stadt in Deutschland, die aktiv mit einem Nazidenkmal Werbung macht.

 

,
2 comments on “Nazidenkmal und Erinnerungskultur: Reaktionen und Resonanzen
  1. Pingback: Erinnerungskultur: Der Bergische Löwe und die Löwenparade · bergischesalbum.de

  2. Pingback: Bergische Morgenpost sehr stark, Remscheider General Anzeiger schwächelt · bergischesalbum.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.