Zeitarbeit in Remscheid – der Sündenfall der Remscheider Wirtschaft?


Eigene Gedanken aufgrund eigener Erfahrungen

„Der Remscheider Arbeitsmarkt ist geprägt durch die Zeitarbeit.“

Als ich diese nüchterne Bestandaufnahme im Remscheider Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014 las, wurde manches klarer.

Die Hartz-Reformen haben der stabilen sozialen Demokratie den Rest gegeben.

Heute stellt das Remscheider Jobcenter in seinem Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2014 fest: „Während die Stellenmeldungen der Zeitarbeit gestiegen sind, sind die Stellenzugänge herkömmlicher Betriebe gesunken.“

Betrachten wir die Situation einmal mit strukturellem Blick.

Die Kompetenz von Remscheid war/ist die Facharbeit. Zeitarbeit bedeutet die Zerstörung der Fachkompetenz vor Ort und die Erhöhung der Austauschbarkeit bundesweit, europaweit bis weltweit.

Ich wage sogar zu behaupten, je höher der Anteil an Zeitarbeit, desto weniger krisenfest ist eine Branche oder Region.

Denn die Austauschbarkeit der Arbeitnehmer im Rahmen von Zeitarbeit ist nur möglich, wenn es sich nicht um qualifizierte Arbeitskräfte mit Alleinstellungsmerkmalen handelt. Je höer die Alleinstellungsmerkmale desto schwieriger die Austauschbarkeit. Das bedeutet aber im Umkehrschluß, daß dort, wo viel Zeitarbeit ist, auch hohe Risiken bei Krisen sind.

Das Argument einiger Unternehmen, sie würden nur dort Leiharbeiter einstellen, wo zusätzliche Kapazitäten sind und dies auch nur vorübergehend, kann sich so ja nur auf Tätigkeiten ohne viel Einarbeitungszeit beziehen.

Ich sehe das so: wenn der Anteil der Zeitarbeit nun gestiegen ist, dann ist also der Anteil der niedrig qualifizierten Tätigkeiten gestiegen – also von Tätigkeiten, die auch als erste bei Krisen verschwinden.

Wenn man dieses strukturelle Problem dem „Markt“ überläßt mit diesen neoliberalen (A)Sozialgesetzen, dann wird dies alles desaströs. Genau da müßte eine menschenorientierte Sozialpolitik ansetzen.

Mittlerweile ist das Heuern und Feuern in der Zeitarbeit sogar wissenschaftlich belegt.

Schwierige Welt mit eindeutigen Zeichen.

Es gibt also für die Zukunft der Region Unternehmen, die in diesem Sinne „Sünder“ sind. Da sind große Namen bei.

Aber nicht alle. Andere versuchen das Gegenteil.
Man muß es eben differenziert sehen.

Und Ausbildung?

1992 zeigte man mir die Ausbildungswerkstatt von Edscha. Alle vom Betriebsrat bis zur Geschäftsführung waren stolz auf die vielen jungen Menschen, die qualifiziert wurden und als echte Edscharianer geformt ins Arbeitsleben treten konnten.

Davon ist nichts geblieben. So ging es mit vielen Betrieben in Remscheid. Nun sind wir 20 Jahre weiter. Nichts ist in meinen Augen besser geworden.

Angeblich gibt es ja zu wenig geeignete Bewerber für die offenen Stellen.

  • Was machen wir also mit den nicht geeigneten Bewerbern?
  • Und was machen wir mit den vielen Menschen über 50, die bis 67 arbeiten sollen, aber nicht mehr passen? Wieso qualifizert man die denn nicht?
  • Und was ist mit all den Jugendlichen, die in den Jahren davor „unversorgt“ geblieben sind? 

Die Zeichen für die Region sind daher nicht so gut und dies wird auch von Dritten bestätigt.

So werden die Menschen in die Hoffnungslosigkeit getrieben und gehen dann dorthin, wo sie neue Hoffnung bekommen.

One comment on “Zeitarbeit in Remscheid – der Sündenfall der Remscheider Wirtschaft?
  1. Pingback: Wie real und wie symbolisch ist Dokumentarfotografie? | streetlens.de – streetphotography + documentary – dokumentarfotografie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.